Das Spielzeit-Interview 2026/2027

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr GMD Merz, Sie starten in die neue Spielzeit mit den 26. Chursächsischen Festspielen und dem Motto »Sehnsucht & Aufbruch« – Was macht Sie in der neuen Spielzeit sehnsüchtig und welcher Aufbruch ist für Sie persönlich damit verbunden?

Die Spielzeit 2026/27 bietet unserem Publikum ein exklusives und vielseitiges Kulturprogramm. Im Mittelpunkt steht dabei auch der 25. Geburtstag unserer Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft. Dass wir nach einer spannenden »Aufbruch-Zeit« bis heute mehr als 20.000 Veranstaltungen für rund fünf Millionen Besucherinnen und Besucher aller Generationen aus nah und fern sowie Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt in unserer Kultur- und Festspielstadt erfolgreich realisieren konnten, ist eine außergewöhnliche Gemeinschaftsleistung. Dafür gilt zuerst mein herzlicher Dank unseren Hauptförderern – dem Freistaat Sachsen, der Sächsischen Staatsbäder GmbH, der Stadt Bad Elster und dem Kulturraum Vogtland-Zwickau – unseren Sponsoren und Partnern, den vielen engagierten Menschen vor und hinter den Kulissen und natürlich Ihnen, unserem verbundenen, einfach tollen Publikum! Meine auch persönliche Sehnsucht ist es, Ihnen auch künftig mit unserem kulturellen Wirken bleibende,  Unvergessliche Erinnerungen und besondere Erlebnisse zu schenken. Diese gemeinsame Begeisterung für Kultur trägt uns seit vielen Jahren und gibt Kraft für die Zukunft. Gerade deshalb verbinde ich mit dem Motto »Aufbruch« den Wunsch, Herausforderungen mit Mut, Kreativität und Zuversicht zu begegnen – in Kultur, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Ich lade Sie herzlich ein, diesen Weg mit uns zu gehen und gemeinsam in eine Spielzeit voller Begegnungen, Inspiration und unvergesslicher Festspielmomente »aufzubrechen« …

  • Intendantenglück: Das 2.000 Theater-Abo
    wird persönlich berreicht.

Im Februar 2027 steht der 25. CVG-Geburtstag im Kalender, aber auch für Sie persönlich gibt es einen runden Geburtstag und ein halbrundes Bühnenjubiläum: Wie ordnen Sie diese Daten für sich ein?

Vor allem empfinde ich große Dankbarkeit. Dass wir – und auch ich persönlich – heute dort stehen dürfen wo wir sind, war vor 25 Jahren keineswegs absehbar. Aus einer ambitionierten, stets zielgerichteten »chursächsischen« Vision ist gemeinsam mit vielen engagierten Menschen ein kerngesundes, erfolgreiches Kulturunternehmen entstanden, das heute weit über die Region hinaus vielfältige Maßstäbe setzt. Das ist keine Einzelleistung, sondern der Verdienst vieler: unserer Gesellschafter, der Politik, unserer Förderer, Partner und Sponsoren, der Künstlerinnen und Künstler, vor allem aber unseres großartigen Publikums sowie unserer hochengagierten, kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darauf dürfen wir gemeinsam stolz sein. Ganz persönlich bin ich auch für mein 45-jähriges Bühnenjubiläum als Dirigent von Herzen dankbar! In dieser Zeit durfte ich rund 1.500 sinfonische Werke, vom Frühbarock bis zur Gegenwart, sowie etwa 200 verschiedene Musiktheaterproduktionen dirigieren, mit rund 70 Orchestern und deren ca. 5.000 Musizierenden aus der ganzen Welt in Europa, Amerika und Asien musizieren und dabei meine besonderen musikalischen Leidenschaften – von der Wiener Klassik über die deutsch-sächsische Romantik und der Musik Böhmens bis zur italienischen Oper – leben. Rund 2.000 Konzerte und Musiktheateraufführungen dirigiert haben zu dürfen, sind für mich ein großes Geschenk! Viele Träume haben sich erfüllt – und ich freue mich auf alles, was noch kommt ...

Mit Ihren »Chursachsen« stehen Sie ja seit Anbeginn für aktive, regionale Zusammenarbeit und fühlen sich auch als kultureller Leuchtturm dem Wohle der ganzen Region verpflichtet. Welche Zukunftschancen und Risiken gibt es hier aus Ihrer Sicht?

Schon unser Name »Chursächsische« steht für eine Idee, die weit über Bad Elster hinausreicht: Mitteldeutschland kulturell, touristisch und wirtschaftlich weltoffen zu verbinden, zu vermarkten und gemeinsam nachhaltig erfolgreich zu sein. Diese Überzeugung begleitet unser Handeln seit 25 Jahren. Was einfach klingt, ist in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen anspruchsvoller denn je. Zukunft entsteht nicht durch Bequemlichkeit, sondern durch Mut, strategisches Denken sowie die Bereitschaft, auch neue und manchmal unbequeme Wege zu gehen. Unsere Region steht im Wettbewerb – nicht nur mit anderen Regionen Deutschlands, sondern zunehmend auch international. Umso wichtiger ist es, der Sache dienend, die hier vorhandenen Kompetenzen, Potenziale und Netzwerke konsequent zu nutzen und weiter auszubauen. Genau darin sehe ich die große Chance für unsere Heimat. Dieses Netzwerk beginnt im Kleinen – hier in Bad Elster – wächst über das Obere Vogtland und den Kulturraum Vogtland-Zwickau hinaus und schließt unsere Partner in Böhmen, Mitteldeutschland und Bayern ganz selbstverständlich mit ein. Wenn wir diese Zusammenarbeit vertiefen und gemeinsam professionell an einem Strang ziehen, sehe ich der Zukunft unserer Region mit großer Zuversicht entgegen.

Apropos Böhmen: Das Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit ist zugleich das Festkonzert zu 30 Jahren EUCHESTRA EGRENSIS, Sie sind Preisträger der EUREGIO EGRENSIS. Was bedeutet Ihnen – künstlerisch und persönlich – diese Zusammenarbeit?

Tschechien begleitet mich tatsächlich schon seit mehr als 40 Jahren – künstlerisch ebenso wie persönlich. Schon als junger Mensch haben mich die tschechische Musikkultur und, zugegeben, auch die dort einzigartige Eishockeytradition, begeistert. Während meines Studiums in Wien habe ich mich auch intensiv mit der gemeinsamen Kulturgeschichte Mitteleuropas beschäftigt und dabei immer wieder erfahren, welchen bedeutenden Beitrag gerade Böhmen zur europäischen Kultur geleistet hat! Als ich 24-jährig 1992 meinen Dienst in Bad Elster antrat, war es für mich deshalb selbstverständlich, möglichst schnell den Kontakt zu unseren Nachbarn zu suchen. Bereits wenige Tage später fanden unter meiner Leitung erste gemeinsame Konzerte in unserer Region mit Orchestern aus Sachsen, Bayern und der damalige Tschechoslowakei statt. Aus dieser Überzeugung heraus entstand 1996 auf Initiative der Chursächsischen Philharmonie und mir persönlich gemeinsam mit mehreren böhmischen Orchestern das deutsch-tschechische Orchesterprojekt EUCHESTRA EGRENSIS, das bis heute mittels Musik Menschen über Grenzen hinweg verbindet und den europäischen Gedanken musikalisch erlebbar macht. Auch als Intendant war und ist es mir stets ein Herzensanliegen, unserem Publikum die große tschechische Musiktradition nahezubringen – gerade auch mit einem entsprechenden Opernrepertoire, das in dieser Vielfalt außerhalb Tschechiens wohl einmalig ist. Dass diese Begeisterung heute von den Mitwirkenden wie vom Publikum gleichermaßen getragen wird, freut mich ganz besonders. Was bedeutet mir diese Zusammenarbeit? Ein gutes Stück gelebter europäischer Verständigung – und viele ans Herz gewachsene Lebens- und Musikgeschichten. Oder, wie unsere tschechischen Freunde sagen: Srdečné díky!

  • Der Dirigent: Musik im Rücken und das Publikum im Blick.

Gestatten Sie uns zum Schluss noch eine gastfreundliche Frage: Wenn Sie einen Extrakt Ihrer Spielzeit 2026/27 als »runden« 4-Tagesaufenthalt in Bad Elster zusammenstellen müssten: Welche vier Veranstaltungen würden Sie wählen und warum?

Da erlaube ich mir vor allem als Generalmusikdirektor zu antworten. Wenn ich einen viertägigen Kulturaufenthalt empfehlen dürfte, würde ich am ersten Tag mit dem Symphoniekonzert »Einheit: Bruckner & Smetana« beginnen. Gerade am Ankunftstag entfaltet dieses Programm eine besondere Symbolkraft. Bruckners 1. Sinfonie empfinde ich dabei wie einen himmlischen Sonnenaufgang in eine neue, hoffnungsvolle Zeit. Nach einem entspannten Spaziergang durch die Königlichen Anlagen würde ich  am zweiten Tag die große Oper mit Wagners »Siegfried« empfehlen – ein Meisterwerk, das für mich ein zeitloses Spiegelbild des Lebens – voller Kraft, Sehnsucht und Entwicklung – ist. Im Klang dieses Abends entfaltet sich das ganze Aufenthaltsgefühl! Der dritte Tag wird festlich: Zum 25. Geburtstag der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft feiern wir gemeinsam mit der Staatskapelle Weimar, der Chursächsischen Philharmonie und dem Solistenensemble der Semperoper Dresden ein glänzendes Fest – als wahrlich königliches Vergnügen! Den vierten Tag würde ich dann ganz bewusst offen lassen, im Gefühl des nahenden Abschieds – Egal ob Führung, Museumsbesuch, schwebendes Glück in der Soletherme oder inspirierende Kammermusik: Dieser Tag gehört der individuellen Note! Doch bevor diese Bad-Elster-Zeit endet, wird gleich der Folgetermin gebucht, denn unsere Spielzeit bietet jährlich rund 300 Kulturproduktionen aus Musik, Theater, Tanz, Literatur und Unterhaltung. Da muss man nur noch einen Platz im Kalender finden, denn Bad Elster ist immer eine Reise wert!

Herr GMD Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.