4 Sätze in Vollendung - das klangvolle Probeninterview

veröffentlicht am 29. Januar 2026 10:50 Uhr

Im Zuge der Probenarbeit zum Gedenkkonzert anlässlich des 125. Todestages von Giuseppe Verdi »Verdi Requiem« im Rahmen der 23. Chursächsischen Winterträume - Dem Kulturfestival der Musik- und Wintersportregion Oberes Vogtland - haben wir die Dirigenten GMD Florian Merz um die Vollendung unserer vier musikalischen Sätze gebeten, um Ihnen damit einmal einen anderen Blickwinkel auf die Probenarbeit zu ermöglichen.

ALLEGRO
Ich freue mich heute besonders auf die Stelle im Konzert, an der …
... verschiedene Stimmungen musikalisch echt »unter die Haut« gehen. Zwei Stellen möchte ich hervorheben: Bei der »Hymne der Nationen« erlebe ich wahre Glücksgefühle, wenn sich die Hymnen von Großbritannien (zugleich Sachsen!), Frankreich und Italien in echter Einheit ergänzen. Das ist (m)ein Ideal für unsere Gesellschaft: Ein friedliches, verein­tes, tolerantes, gegenseitig befruchtendes Europa!
Im Requiem freue ich mich auf den Moment im »Dies irae«, wenn die Ferntrompeten aus dem Jenseits mit dem Diesseits kommunizieren ... Das ist Gänsehaut pur!

ANDANTE
Bad Elster als Ort der Musik erinnert mich immer an …
... meine erste Verdi-Oper! Nachdem ich als 21-Jähriger im Landestheater Coburg ohne wirkliche Probe meine erste Verdi-Oper »La Traviata« dirigieren durfte, war mir klar, dass er und seine Werke mich bitte (m)ein Leben lang begleiten möchten – als Kraftquelle, Mut-macher und natürlich Bel Canto-Glanz. Im König Albert Theater habe ich dann bereits Anfang der 90er Jahre »Il Trovatore« dirigiert und seitdem viel, viel Verdi. Mit dem heutigen Programm schließt sich für mich ein Kreis als Ausgangspunkt für hoffentlich weitere 38 (!) Verdi-Jahre: »Viva Verdi!«

SCHERZO
Wenn ich das heutige Programm als kulinarisches Menü interpretieren müsste …
… ist »Inno delle nazioni« wie eine internationale Vorspeisenplatte: Austern aus Frankreich, Schwammespalken aus dem Vogtland, Blutwurst nach englischer Art und ein rustikaler Toskana-Wein. Das »Requiem«? Ein edler Recioto aus dem Veneto: süß, kräftig, festlich – ein vollmundiger Abschluss des Lebens und zugleich Auftakt in die Ewigkeit!

PRESTO
Mit dieser Musik im Ohr könnte ich mir gut vor­stellen, sofort …
... durch ganz Europa zu fahren, diese Musik aufzuführen und überall Menschen für die großartige Idee eines gemeinsamen, starken und positiv ausstrahlenden Europas in Freiheit zu begeistern. Gleichzeitig sollte dies als Appell für ein friedliches Miteinander in der ganzen Welt ertönen!