Das Spielzeit-Interview 2015/2016

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr GMD Merz, die neue Spielzeit präsentiert wieder ein wirklich prall gefülltes Kultur- und Erlebnisprogramm in der Kultur– und Festspielstadt Bad Elster. Was ist denn für den Intendanten eigentlich das besonders Schwierige an dieser jährlichen Bad-Elster-Partitur?

Von insgesamt 365 Tagen im Jahr läuft der Spielbetrieb 363 Tage lang! Dabei gehen ca. 1.000 Veranstaltungen mit über 1.500 verschiedenen Künstlern aller Kontinente für rund 200.000 Besucher aller Generationen aus nah und fern über unsere acht Bühnen in den beiden Sächsischen Staatsbädern. Diese Vielzahl bietet zwar großen »intendantischen« Abwechslungsreichtum, macht aber auch eine klare, zielgruppenorientierte Sortierung nach verschiedensten Themenkreisen erforderlich, um das Veranstaltungsangebot tagtäglich passend zu »komponieren«. Das ist sicher nicht immer einfach, aber dieses Auftragswerk detailliert mit unserem stets »hungrigen« Chursachsen-Team zu erforschen, herauszuarbeiten, zu kommunizieren, durchzuführen und schließlich für das Publikum in hoher Qualität erlebbar zu gestalten, macht unheimlich große Freude! Als Geschäftsführer, Intendant und Generalmusikdirektor in Personalunion bin ich aber auch sehr glücklich, dass unsere zeitgemäße, sehr effizient-effektive Struktur neben künstlerischer Qualität auch nachhaltig-wertschöpfenden, wirtschaftlichen Erfolg bringt: Dies sehe ich als beste Investition für eine positive Zukunft an.

  • Ein Intendant unter Freunden: GMD Florian Merz 
mit Ehrengästen im König Albert Theater

    Ein Intendant unter Freunden: GMD Florian Merz
    mit Ehrengästen im König Albert Theater

Neben den etablierten, chursächsischen Festivalreihen feiern Sie im Sommer 2016 in Bad Elster den 160. Geburtstag von Robert Schumann mit einem speziellen Wochenende. Sie selbst sind aktiv in den Vorständen der beiden renommierten Robert-Schumann-Gesellschaften in Zwickau und Düsseldorf tätig sowie als Schumann-Kenner bekannt. Was bedeutet Ihnen als Intendant und Dirigent dieser sächsische Romantiker?

Robert Schumann prägt mein Leben: Bereits als kleiner Junge begeisterte mich sein Klavierstückchen »Der wilde Reiter«. Düsseldorf, meine Heimatstadt, ist auch historisch betrachtet bei weitem keine wirklich historische Musikhochburg wie die vergleichbaren Zentren Mitteldeutschlands. Umso mehr sticht im Rheinischen eben dieser aus Sachsen stammende Komponist hervor. Noch bevor ich 1992 nach Bad Elster, also in die Schumann-Region Zwickau kam, hatte ich bereits als Anfang 20-Jähriger seine sämtlichen Orchesterwerke mit großem Erfolg dirigiert sowie auf CD eingespielt. So hat mich Robert Schumann quasi signifikant begleitet, fasziniert und befördert. Bis heute habe ich ihn überall als sein glühender Verehrer immer gern dirigiert, auch wenn manch` Veranstalter im Vorfeld lieber Anderes erlebt hätte… Robert und ich sind immer ein gutes Team? - Danke Robert!

Als Chefdirigent dirigieren Sie neben fast allen Musiktheaterproduktionen und den Symphoniekonzerten der Chursächsischen Philharmonie regelmäßig auch Konzerte außerhalb Bad Elsters und wurden dazu bislang national
und international von über 60 Orchestern eingeladen. Was vermissen Sie dort am meisten, außer dem »Heimvorteil«?

In der Tat fühlt sich das Gastdirigieren oft an wie »Auswärtsspiele« im Sport. Das hat eigentlich immer besondere Reize und Herausforderungen: Zum einen muss ich das richtige Gespür für die neue Umgebung und das für mich neue Orchester finden. Zum anderen erwarten mich ein neues Publikum mit oft sehr spezifischen Eigenheiten und Erwartungen, immer wieder neue akustische Saalverhältnisse bzw. neue Gewohnheiten vor und hinter den Kulissen. Auf Basis einer professionellen Vorbereitung muss man aber vor allem immer mit sozialer Kompetenz, Weltoffenheit, Improvisationskunst und einfach großer Neugier gieren, dann entdeckt man das Neue mit großer Freude! Neben dem musikalischen Miteinander schätze ich bei diesen »Auswärtsspielen« die persönlichen Begegnungen mit interessanten Menschen am meisten. Aber egal ob Heim oder Auswärts, gute Musik mit offenen Menschen bereitet immer Freude, überall…!

  • Zwischen Kunst & Management: GMD Florian Merz backstage aber vor der Kamera!

    Zwischen Musik, Kultur & Management:
    GMD Florian Merz "backstage" vor der Kamera!

Dank des 100. Geburtstages ist das König Albert Theater nun auch offiziell in die renommierte Europastraße der historischen Theater aufgenommen worden und präsentiert sich hier nun zum Beispiel neben dem Schlosstheater Drottingholm Stockholm, dem Globe Theatre London, dem Schlosstheater Cesky Krumlov und den befreundeten Häusern wie dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt oder dem Rokoko-Theater Schwetzingen. Im Kontext dieser neuen »Familienzugehörigkeit« – Was bedeutet ein historisches Haus für Ihren programmatischen Ansatz?

Mein erster Besuch in Bad Elster vor nunmehr fast 25 Jahren führte mich gleich instinktiv in das damals noch unsanierte, historische Theatergebäude. Trotz offensichtlich baufälligem Zustand war ich von dem historischen Gemäuer sächsischer Musik- und Theatertradition sofort begeistert und ergriffen! Es wurde für mich somit zum persönlichen Anliegen, dieses historische Haus in die Zukunft zu führen. Die glanzvolle Wiedereröffnung zum 90. Theatergeburtstag im Jahr 2004 bleibt für mich unvergessen und bedeutete die längst verdiente »Wende« auch für unser König Albert Theater: Seine dabei wiedererlangte, prachtvolle historische Schönheit in Kombination mit moderner Veranstaltungstechnik und höchst möglichem Publikumskomfort ist heute das pulsierende Herz der attraktiven Kultur- und Festspielstadt Bad Elster! Der dadurch initiierte, erfolgreiche Ausbau des Kulturtourismus, die imageprägende Ausstrahlungskraft des Theaters für den Gesundheitsstandort und die Akzeptanz des Hauses als gesamtgesellschaftliche Bühne hier in der Euregio Egrensis, dem Herzen Europas, ist heute ganz klar unsere Definition für die erfolgreiche Betreibung eines historischen Theaters, als Ort der lebendigen Kommunikation. Das bedeutet mir sehr viel und ist Grundlage meiner »Handschrift« als Intendant!

Zum Schluss eine Wunschfrage: Mit der Chursächsischen Philharmonie laden Sie sich regelmäßig internationale Solisten und Prominente ein. Wenn Sie sich zwei Solisten für ein Konzert in Bad Elster wünschen könnten, wen würden Sie einladen und warum?

Ich schätze unserer Künstlersolisten – national wie international! Ungeachtet dessen hätte ich große Lust auf ein sächsisches Klavierkonzert der Romantik mit dem chinesischen Pianisten Lang-Lang in unserem (dann hoffentlich flexibel-vollüberdachten) NaturTheater zu musizieren! Dieser Ausnahmekünstler hat als Mensch und Musiker eine hohe persönliche Botschaft, mit welcher ich unser Publikum sehr gern beglücken würde. Ein zweiter großer Traum wäre nicht »solistisch«, aber auch klangvoll: Im Rahmen unseres verbindenden Orchesterkonzepts des EUCHESTRA EGRENSIS würde ich gern einmal ein gemeinsames Konzert der »Chursachsen« mit dem in meinen Augen besten Orchester der Welt - den Wiener Philharmonikern - mit Werken von Schumann und Bruckner im König Albert Theater dirigieren. Das wäre wirklich traumhaft!

Wir träumen gerne mit! Herr Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.