Das Spielzeit-Interview 2017/2018

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr Merz, der neue Spielplan ist wieder eine spannende Partitur für die besondere Aufenthaltskomposition Bad Elsters. Wenn der »Chef de la Culture« nur drei Stücke als Menü empfehlen darf: Welche wären das in dieser Spielzeit?

Die schwerste Frage gleich zu Beginn! Viele unserer Veranstaltungen sind eine besondere Idee für ein Menü. Darum muss es mindestens ein 4-Gang-Menü sein: Aufgrund der besonderen Exklusivität dürften das Konzert des Sächsischen Staatsopernchores am 500. Jahrestag der Reformation und unser Symphoniekonzert »Lobgesang« zum 25. Geburtstag der Chursächsischen Philharmonie als klassische Zutaten nicht fehlen. Dazu sollten erlebbare Kulturaromen, wie die szenische Lesung von Marx-Engels-Briefen mit Gregor Gysi zum 200. Geburtstag von Karl Marx und die Musik-Comedy-Show des Erfolgsensembles »Mnozil-Brass« im Rahmen des MDR Musiksommers, als Wiedersehen meinerseits mit Wiener Studienkollegen, das Menü geschmacklich abrunden. Bon Appétit!

  • Als »Vogtland-Botschafter«: Immer neue Denkanstöße
    zum Wohle der ganzen Musik- und Bäderregion!

Im Jahr 2017 feiert Bad Elster »200 Jahre Orchestertradition« und ein Jahr später – 2018 - »200 Jahre Gesundheitstradition«. Am Anfang war also Musik! Wie wichtig bzw. welchen Stellenwert hat heute das kulturelle Angebot einer touristischen Destination allgemein und speziell in Bad Elster?

Jede touristische Destination braucht besondere Alleinstellungsmerkmale, um sich in einem immer härter werdenden Wettbewerb abzuheben. Im Konzert der vielen hundert sogenannten Bade- und Kurorte ist unsere weltweit einmalige »Festspielmeile der kurzen Wege«, mit 7 historischen Veranstaltungsstätten und rund 1.000 Veranstaltungen im Jahr, eben dieses Alleinstellungsmerkmal im harmonischen Einklang aus Kultur, Gesundheit und Natur. Die jahrhundertealte Tradition dieser »Bad-Elster-Kombination« ist dabei nicht nur ein reicher Erfahrungsschatz, sondern auch tagtäglicher Quell der Inspiration für ein erfolgreiches Gästewesen.

Sie sind ja auch persönlich maßgeblich für die jährliche Inszenierung der Kultur- und Festspielstadt Bad Elster verantwortlich. Dabei haben Sie neben Ihrer Stammkundschaft auch immer Gäste und Einheimische im Blick. Wo sehen Sie Ihre kulturelle Aufgabe hier vor Ort, als kultureller Leuchtturm im Oberen Vogtland?

Wir verfolgen mit unserem Kultur- und Dienstleistungsangebot im Wesentlichen zwei Ziele: Zum einen wollen wir der regionalen Bevölkerung im Vogtland und Westsachsen sowie im benachbarten Franken und Böhmen generationsübergreifend unvergessliche Kulturerlebnisse der besonderen Note in einem einmalig-inszenierten Ambiente bieten. Zum anderen wollen wir als »Leuchtturm« dem Gesamttourismus in der Region mit einer regionalverankerten Kulturtourismusstrategie nachhaltig wichtige Impulse geben. Wir verstehen dabei die Bühne Bad Elsters als kompetenten Kommunikationsort aller gesellschaftlichen Bereiche in einer weltoffenen und grenzenlosen EUREGIO EGRENSIS. In diesem lebendigen Herzen Europas möchten wir Menschen verbinden, Themen setzen und den kulturellen Austausch als regionalen Mehrwert inszenieren und so neue Zielgruppen wertschöpfend insbesondere für das Obere Vogtland begeistern.

  • Zwischen Kunst & Management: GMD Florian Merz backstage aber vor der Kamera!

    Zwischen Musik, Kultur & Management:
    GMD Florian Merz "backstage" vor der Kamera!

Als Dirigent und GMD sind Sie – neben Ihrer Liebe zur Symphonik - im Besonderen als ein leidenschaftlicher und glühender Verehrer des Musiktheaters bekannt, der seinem Publikum in Bad Elster seit über 25 Jahren ein wirklich
breites Repertoire anbietet. Was macht die Oper in Ihren Augen auch noch in 25 Jahren so interessant?

Gut gemachte Oper ist die höchste Kunstform überhaupt! Das harmonische Zusammenspiel von Mensch, Bühne und Musik wird auf der Bühne zu einem vollendeten Gesamtkunstwerk, im besten Fall vergleichbar mit einem guten Film. Aber anders als im Film bietet die Oper live erlebbare Gefühlswelten und damit ein authentisches Erlebnis. Heiterkeit, Liebe, Traurigkeit, Melancholie, Tod, Traum, Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen im Licht der Musik zu Momenten, die ganz direkt berühren. Gerade in einer reizüberflutenden, schnellen, digitalen und leistungsbezogenen Welt sind diese Momente einzigartige »analoge« Inseln des Glücks, die – wenn man sich darauf einlässt – Kraft und Lebensfreude spenden können. Genau dafür steht die Oper auch in Zukunft, da bin ich mir sicher!

Die Spatzen pfeifen es mittlerweile von den Dächern: Im Jahr 2018 bekommt das NaturTheater Bad Elster ein fahrbares Publikumsdach und im Zuge dessen wird das gesamte Areal zeitgemäß erneuert. Wie wichtig ist Ihnen als Intendant diese Open-Air-Spielstätte in der Kulturstrategie?

Das kulturelle Herz der Region ist auch zukünftig unser König Albert Theater. Hier haben wir ein wundervolles Haus, welches allen Ansprüchen in hoher Qualität ganzjährig bestens gerecht wird! Auch wenn es das größte Theater im Kulturraum Vogtland-Zwickau ist: Wir sind im Publikumsbereich mit rund 500 Plätzen im Wachstum eingeschränkt. Anders im nur 500 Meter entfernten NaturTheater, dem ältesten seiner Art in Sachsen: Hier werden wir mit unserer avisierten Erweiterung – statt bislang 1.000 – zukünftig rund 1.500 Besucher empfangen können. Dies bedarf neben einem begeisternten Spielplan auch zeitgemäßen Veranstaltungsservice, gerade für neue Zielgruppen. Mit einer fahrbaren Publikumsüberdachung in ästhetisch anspruchsvoller Symbiose aus Architektur und Natur ist es uns dann möglich, witterungsunabhängiger zu agieren und damit insgesamt die Erlebnisqualität im Waldpark für unsere Gäste wesentlich zu steigern.

Zum Schluss eine Frage im Hinblick auf 200 Jahre Gesundheitstradition – Welchen Künstler würden Sie gern einmal zu einer Badekur nach Bad Elster einladen und warum?

Publikumsliebling Eckhart von Hirschhausen! Er, als Mediziner, Buchautor, Zauberkünstler, Kabarettist und Moderator, würde die heilende Wirkung Bad Elsters in der Kombination aus Gesundheit und Kultur ganz sicher exzellent zu schätzen wissen und Bad Elster als Botschafter mit der ihm gegebenen, charmanten Art unterstützen ... Damit würde eine Badekur nachhaltig wirken!

Herr Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.