Das Spielzeit-Interview 2016/2017

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr GMD Merz, dank Ihnen und Ihren Chursachsen ist Bad Elster heute ein Mekka für zahllose Künstler aus aller Welt: Egal ob internationale Stars, europäische Spitzenensembles oder verschiedenste andere Formationen - Bad Elster gibt der Welt viele Bühnen. Wie wichtig ist Ihnen diese Vielfalt im Spielplan und wie schätzen Sie parallel dazu die Attraktivität der Urlaubsregion für auch internationale Gäste ein?

Unser Ziel ist es, mit unseren jährlich rund 1.000 Veranstaltungen Menschen aller Generationen aus nah und fern zu begeistern. Das versuchen wir im einmaligen Ambiente der Sächsischen Staatsbäder mit einem breiten, aber für klar definierte Zielgruppen ausgerichteten Spielplan nach dem Motto »Für jeden etwas«. Sowohl Qualität als auch Quantität sind dabei für unseren Spielplan wesentlich. Dies ist eine tolle, fleißige und kompetente Teamleistung aller Chursachsen! Ausgewählte Veranstaltungen sind dabei zum einen touristisches Zugpferd und zum anderen willkommene Reiseergänzung. Dazu setzt jetzt endlich die Musik- und Bäderregion vermehrt auf Qualitätstourismus und gerade hier sehen wir uns als zeitgemäß-dienstleistenden »Leuchtturm« mit großen Potentialen. Das betrifft die verbindende Produktgestaltung als auch die Vermarktung unserer touristischen Kulturregion und davon profitieren auch die Vogtländer täglich.

  • Ein Intendant unter Freunden: GMD Florian Merz mit Ehrengästen im König Albert Theater

    Ein Intendant unter Freunden: GMD Florian Merz
    mit Ehrengästen im König Albert Theater

Der Spielplan 2016/2017 beweist mit ganzjähriger Qualität die überregionale Wertigkeit des Standortes Bad Elster als weltoffene Kultur- und Festspielstadt. Als Intendant, Geschäftsführer, Generalmusikdirektor und Chefdirigent in Personalunion: Wo zeigt sich hier Ihre persönliche Handschrift am deutlichsten?

Als Generalmusikdirektor plane und leite ich die vielen Musiktheaterproduktionen sowie die klassischen Orchesterkonzerte. Als Chefdirigent dirigiere ich die Symphoniekonzerte unserer Chursächsischen Philharmonie. Dies alles trägt natürlich meine »persönliche Handschrift«. In meiner übergeordneten Funktion als Geschäftsführender Intendant achte ich mit meinem Team immer darauf, dass wir ein möglichst großes Publikum mit unseren Veranstaltungen, Abo-Reihen und Events erfreuen, begeistern und binden. Im Hintergrund muss sich dabei eine zeitgemäß-klare, effizient-effektive Strategie mit einer operativen Organisationsstruktur zielführend ergänzen, um unser Unternehmen als innovationsfreudigen Dienstleister nachhaltig-wertschöpfend zum Wohle der Region einzubringen.

Im Jahr 2017 feiert die Chursächsische Philharmonie unter Ihrer Leitung 200 Jahre Orchesterkultur Bad Elster. Wie wichtig ist diese Tradition für das heutige Orchester bzw. wie spiegelt sich diese große Tradition heute in der Programmatik des Orchester wider?

Grundsätzlich gestalte ich Zukunft aus den Wissensschätzen der Vergangenheit. Das trifft auch auf Bad Elster und seine bewegte Orchestergeschichte zu, denn ohne diese maßgebliche Besonderheit wäre Bad Elster nie Sachsens Königsbad geworden. Natürlich hat sich in den letzten Jahrhunderten vieles aufgrund veränderter Rahmenbedingungen neu entwickelt – von der deutlich erweiterten Programmgestaltung bis hin zum Marketing. Aber der Grundauftrag und die Motivation folgt weiterhin der Inspiration wie vor 200 Jahren: Menschen durch Musik zu begeistern! Dabei bereitet es uns jedes Jahr eine besondere Freude, unser Publikum mit fein komponierten Konzertprogrammen auf klangvolle »historische Zeitreisen« einzuladen – und dies im Idealfall mit Instrumenten aus der Zeit der jeweiligen Werkentstehung!

  • Zwischen Kunst & Management: GMD Florian Merz backstage aber vor der Kamera!

    Zwischen Musik, Kultur & Management:
    GMD Florian Merz "backstage" vor der Kamera!

Die neue Premierenspielzeit im Musiktheater beschreiben Sie als ein »Europäisches Sinnbild des Musiktheaters «. Vor dem Hintergrund der wirklich schwierigen Lage in und um Europa: Welche Bedeutung hat Kultur für das von Ihnen so oft zitierte Herz Europas?

Das reine Herz Europas ist lediglich die geografisch gegebene Mitte unseres europäischen Kontinents. Wir – die Menschen hier – sind das Blut, durch welches dieses Herz erst »richtig« schlagen kann. Dabei ist Kultur ein Quell von Lebenselixier: Die kunstvolle Verbindung von Toleranz, Tradition, Akzeptanz, Respekt, Neugierde, Bewunderung, Begeisterung und Liebe kann Menschen beflügeln, sich auf neue Sichtweisen einzulassen. Wenn daraus öfter ein bewusster und verständnisvoller Dialog in der Gesellschaft entfacht würde, hätte die europäische Kultur ein wesentliches Ziel erreicht …

Im Februar 2017 feiern Sie in einem Festkonzert 15 Jahre »Chursächsische Veranstaltungs GmbH« aber auch wichtige persönliche Meilensteine: So feiern Sie Ihr 35-jähriges Dirigentenjubiläum, blicken auf nunmehr 25 spannende Bad-Elster-Jahre und werden dazu noch »junge« 50 Jahre alt. Welcher dieser Meilensteine ist 2017 für Sie am wichtigsten?

Wenn man 50 wird, blickt man natürlich vor und auch zurück: Ich stelle fest, dass ich auch beruflich in meinem Leben Vieles richtig gemacht habe. Das erfüllt mich sehr und macht mich glücklich! Insbesondere bin ich dankbar, dass ich meine Liebe zur klassischen Musik seit 35 Jahren weltweit mit rund 60 Orchestern in weit über 1.000 Konzerten bzw. Musiktheatervorstellungen ausleben, vermitteln und teilen durfte. Die langfristige Entscheidung »Bad Elster« war und ist dabei ein wesentlicher Teil meiner beruflichen und persönlichen Identität. Neben meiner musikalischen Heimat Wien sowie meinem Familienmittelpunkt Düsseldorf ist unsere Kultur- und Festspielstadt somit längst zu meiner dritten Heimat geworden. Wie viele andere Kollegen auch hält mich das Dirigieren jung, da ist 50 wahrlich kein Alter: Ich habe noch vieles vor, der Weg ist das Ziel … Der Geburtstag ist somit kein wirkliches Thema ;-)

Zum Schluss eine Wunschfrage: Wenn in 100 Jahren auf die 300-jährige Orchestergeschichte Bad Elsters zurückgeblickt wird, was würden Sie sich als Beschreibung der »Ära Merz« wünschen?

… dass er in einer spannenden Zeit mit seinen Chursachsen mittels der grenzenlosen Sprache der Musik die Menschen im Herzen Europas zusammengeführt hat und aus dem Bewusstsein der Geschichte neue kulturelle Traditionen begründete, die auch heute – im Jahre 2117 – den europäischen »Hot Spot« Bad Elster prägen und glänzen lassen.

In diesem Sinne, Spot an! Herr GMD Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.